Lauschabwehr

Der Lauscher an der Wand hört seine eig’ne Schand’

                                                                              Redewendung

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Lauschabwehr…auch hier sind Lauscher im Einsatz

Wir hatten unsere kleinen, teuren Köfferchen, angefüllt mit modernster Hi-Tech-Ausrüstung, sehr sorgfältig verschlossen und legten sie nun auf die rückwärtige Sitzbank des Leihwagens, mit dem wir – zwei Ermittler von Alpha Detective – vom Flughafen Köln-Bonn aus – „Konrad Adenauer“ heisst der inzwischen - zu unserem Ziel in das Industriegebiet in der Nähe von Bonn fahren wollten. Das Auftauchen mit einem Auto, das uns schon vom Kennzeichen her nicht als die verriet, für die man uns vielleicht halten würde, war uns sehr recht. Das unerwartete Auftauchen, der Überraschungseffekt – alles, was zum Handwerkszeug der Alpha-Detective gehört, war eingeplant – wir waren gut vorbereitet.  

Wir gehörten zum Technik-Team bei Alpha Detective und waren zur ersten Rohbauabnahme eines großen Bürogebäudes gebeten worden. Eigentlich hätten amerikanische Experten bei der Abnahme dabei sein sollen, um festzustellen, ob der Neubau Vorbereitungen oder gar bereits irgendwelche verborgene Elektronikeinbauten aufwiese, mit denen man später bequem in die verschiedenen Büros würde hineinlauschen können, wenn der Bau einmal bezogen und in Betrieb genommen wäre. Nur sollte diese Inspektion völlig unauffällig ablaufen, und die amerikanischen Spezialisten wären sofort aufgefallen, weil sie ja normalerweise nicht akzentfrei Deutsch sprechen können…

Die Bauherrin war eine große internationale Behörde, und der Bezieher des Gebäudes würde eine Dienststelle sein, die auch internationale Konferenzen veranstalten wollte.

Wir wussten nur, dass einige Ministerien und auch Botschaften, die ja immer noch in Bonn ansässig sind,  sehr daran interessiert waren, ab und zu mal vertrauliche Treffen in  modernen und abhörsicheren Räumen abzuhalten. Dazu bot dieses neue Gebäude die beste Gelegenheit.  Man war – unter der Hand hatte man uns das mitgeteilt – sehr daran interessiert, dass insbesonders diese Untersuchung von absoluten Fachleuten durchgeführt wurden.  

Gut, von einem zuverlässigen Navigationsgerät geführt, kamen wir in der Nähe des Rheinufers, zu der Baustelle – problematisch war, dass der Neubau noch keine im Navi registrierte Adresse hatte – also mussten wir von unterwegs aus telefonieren, um die bereits registrierte Adresse eines Anlaufpunkts in der Nähe zu erfahren.  Es zeigte sich auch hier einmal mehr: je bequemer den Menschen das Leben gemacht wird, desto fauler werden sie - das gilt genau so auch für uns. Früher wären wir nach Autokarte gefahren und hätten uns in der Nähe bei Passanten zur Baustelle durchgefragt!

Überrascht waren wir von der Menge der Leute, die sich zur Abnahme an der Baustelle versammelt hatten. Mit von der Partie waren offenbar Leute vom Architekturbüro, irgendwelche Beamte, die sich, angetan mit weissen Helmen auf dem Haupt, dadurch als geübte Fachleute bei solchen Prozeduren erwiesen, ein paar Leute in Arbeitskleidung, offenbar aktive Bauleute – und ein paar weitere undefinierbare Zuschauer. Wir meldeten uns beim Mitarbeiter des Architekturbüros, der uns zur Seite nahm und uns einschärfte, um Himmels willen nichts von unserer Aufgabe zu erzählen, denn, wenn bekannt würde, warum wir da seien, dann würde das ein schlechtes Licht auf die Bauleitung werfen. Ja, und? – fragten wir uns! Am besten wäre es, wir liessen erst mal die Beamten ihre Arbeit tun und würden dann, wenn alle gegangen seien, die Arbeit mit unseren Geräten beginnen. OK.
Nach langem Warten und zwei langweiligen Stunden verkrümelten sich die meisten Baustellenbesucher – nur die beiden Mitarbeiter des Architekturbüros, die für die Bauleitung verantwortlich waren, blieben noch da.

Wir hatten nicht alle Räume zu inspizieren, sondern nur insgesamt vier Büros: das Büro des obersten Chefs und sein Vorzimmer, sowie den Konferenzraum, ungefähr so groß wie das Spielfeld für ein Hallenhandballturnier, und den davor liegenden Raum – wer weiß – vielleicht sollte das die Garderobe der an einer Konferenz teilnehmenden Besucher werden.

Wie bei allem im Leben: viele gesuchte Lösungen erschliessen sich dem aufmerksamen Betrachter, wenn er nur gut und sorgfältig beobachten gelernt hat. Bevor wir also unsere Geräte auspackten, schauten wir uns die Räume, die ja alle noch im Rohbau waren, zuerst einmal genau an. Dabei sahen wir natürlich, wo Ecken und Nischen waren, die auf keiner Bauzeichnung vorgesehen waren. Der Mitarbeiter des Architekturbüros notierte eifrig, was abzustellen war. Wir massen mit unseren empfindlichen Geräten, ob es bereits elektrische Felder gab, fanden aber nichts Verdächtiges. Es liegt ja auf der Hand: die wirklichen Knüller kommen erst, wenn der Innenputz angebracht wird und die Verkleidung mit Einbaumöbeln und Holzvertäfelungen beginnt.

Wir vereinbarten mit dem Architekten, dass wir von nun an in regelmäßigen Abständen, aber auch unangekündigt, zur Baustelle kommen und unsere Messungen dem Baufortschritt entsprechend durchführen würden. Wir hatten den Eindruck, dass allein diese Ankündigung beim Architekten und Bauleiter die Bereitschaft zu größtmöglicher Aufmerksamkeit während der nächsten Schritte am Bau ausgelöst hätten.

Nun, wir sind jetzt in der idealen Situation, die Messungen zur Lauschabwehr in einem Neubau durchzuführen – und wenn sich jetzt einer irgendwelche ungeplante Einbauten erlauben würde – wir würden das sehr einfach finden!  

Und was wir noch einfach fanden: den Rückweg zum Flughafen – der war nämlich auf der CD im Navi einwandfrei eingespeichert.

 
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