Abrechnungsbetrug

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Der „alte“ Buchhaltungschef im Unternehmen von Herrn Z. – er war wirklich nicht beliebt, weil er stets schlecht gelaunt herumlief – der Alte also war in Rente gegangen. Der bisherige Stellvertreter war aber nicht nachgerückt, sehr zum Erstaunen aller Mitarbeiter in der Buchhaltung, sondern es wurde jemand „von draussen“ gesucht und eingestellt. Zu Denken gab es für die Insider deshalb etwas, weil der Neue von einer Personalagentur mit großem, unerklärlichem Nachdruck förmlich in diese Position hineingedrückt worden war. Niemand wusste, was der Inhaber, Herr Z., aber schon seit einiger Zeit plante: er wollte sein Unternehmen an einen ausländischen Wettbewerber verkaufen, und der Wechsel in der Buchhaltung musste bereits in diesem frühen Stadium mit dem kommenden Eigentümer besprochen werden – und daher kam der Druck, von dem aber niemand im Betrieb etwas erfahren durfte.
Die inzwischen international übliche Buchhaltungssystematik nennt den Chef einer Finanzbuchhaltung üblicherweise „Controller“ – und der „Neue“ war zwar ein „Buchhalter“, hatte aber auch in einem anderen Betrieb als Controller gearbeitet, hatte beste Referenzen und konnte für die Analyse des zu übernehmenden Betriebs dem künftigen Besitzer viele wertvolle Informationen liefern. So ganz in Ordnung war das natürlich nicht, aber der geplante, neue Eigentümer hatte das zur Bedingung gemacht – und der alte Eigentümer wollte alles tun, um den Verkauf seiner Firma durch nichts zu gefährden.

Der  Neue, Jürgen K., trat seinen Dienst an. Es gab noch einige Wochen der Einarbeitung mit seinem Vorgänger. Aber danach ging die Post ab: jung, dynamisch, lärmend und ausserordentlich hemdsärmelig – so zeigte er sich seiner neuen Umgebung, als er endlich Herr im eigenen Reich geworden war. Es war eine gewaltige Umstellung! War früher jedes laute Wort in der Finanzabteilung verboten, so wurde nun raumübergreifend mit größter Lautstärke telefoniert, und statt sich mit den Mitarbeitern zu einem gepflegten Gespräch in ein Büro zurückzuziehen, wurden nun alle Vorgänge laut rufend durch die Gegend herumposaunt. Die Umstellung war wirklich gewaltig!

Jürgen war eingewiesen worden, hatte natürlich Zugang zu den Computerdaten der Firma, sass anfangs auch mal stundenlang, vor allem abends, allein in seinem Büro und grub den Computer um. Er verlangte Prokura, die er alsbald bekam; Bankvollmacht hatte er ohnehin vom ersten Tag an. Und bald liess er sich regelmäßig bei Herrn Z., dem Inhaber, melden und trug ihm seine massiven Beschwerden über die bisherige Arbeitsweise vor. Am deutlichsten werde das merkbar an den Provisionsabrechnungen für die Vertretungen, die noch unter dem seinem Vorgänger abgewickelt worden waren. Es sei unerträglich, wie viel Geld dort ungerechtfertigt hingeflossen sei. Herr Z. rang nach Luft – und nach Worten – das war ihm absolut unverständlich. Der alte Buchhalter war unbeliebt, ja, das stimmte, aber in erster Linie deshalb, weil er so unbestechlich mit allen umgegangen war, die von der Firma etwas zu verlangen glaubten, und bei Vertretungsprovisionen rechnete er selbst alle Posten persönlich nach – dass ja niemand auch nur einen Euro zu viel bekäme.

Jürgen K. kam eines Tages mit einer Liste aller Provisions-Überweisungen aus den letzten sechs Monaten. Danach hatten insgesamt 27 Vertreter Provision bekommen, und bei 24 davon war offenbar zu viel bezahlt worden. Er verlangte, dass alle Vertreter unverzüglich herbeizurufen seien und zu diesen Vorwürfen Stellung nehmen müssten. Dem Besitzer, Herrn Z., kam das ungeheuerlich vor, und er weigerte sich, so ein Drama daraus zu machen. Da zog Jürgen zum ersten Mal seine Trumpfkarte und deutet ganz zart an, dass der künftige Eigentümer so etwas aber gar nicht gern sehen würde… - er drohte mehr oder weniger unverhohlen damit, den Verkauf der Firma behindern oder gar verhindern zu wollen.…

Einige der im Fokus stehenden Vertreter waren Partner, sogar persönliche Freunde von Herrn Z. Und die, die ihm am nächsten standen, rief er eines Abends an – und druckste anfangs herum, kam aber allmählich dann doch mit der Sprache heraus und fragte, ob zu viel Provision geflossen sei. Entsetzte Ablehnung bei allen Angesprochenen.
Gut, aber die Bankauszüge und Überweisungsbelege sprachen eine deutliche Sprache – da standen doch diese Summen!

Herr Z. kannte die Alpha Detective aus einer früheren Aktivität. Abends, fast bei Nacht und Nebel, kam er zu uns und legte uns seine Sorgen auf den Tisch. Er begann inzwischen selbst zu zweifeln, was richtig und was falsch war. Was sollte er denn nun tun?

Wir rieten ihm zunächst dazu, keine Aktivitäten auf eigene Faust zu unternehmen, sondern uns einen umfassenden Auftrag zu erteilen, dass wir diesen Dingen nachgehen sollten – dazu waren natürlich alle Vollmachten notwendig, die man sich denken konnte. Diese Vollmachten bekamen wir natürlich. Das Ganze fand überdies klammheimlich, ohne Wissen und Mitwirkung von Herrn Jürgen K. statt.   

Herr Z. beschaffte uns an einem Sonntag Zugang zu seinem Betrieb. Wir gingen die Sachen durch und fanden etwas Befremdliches: die Überweisungen, die Jürgen K. zusammengestellt hatten, waren in mehreren Schritten erfolgt – und komischerweise, die letzten Transaktionen zu einer Zeit, als er bereits im Unternehmen war, in der Übergangszeit also.
Wir machten uns Kopien von den wesentlichen Unterlagen und besuchten damit die Banken, die diese Überweisungen getätigt hatten. Dabei fanden wir gemeinsam heraus, dass es schriftliche Anweisungen von Herrn Jürgen K. gab, diese Beträge auf neue Konten zu zahlen, welche unter den Namen der Vertreter bestanden.

Misstrauisch geworden, gruben nun die Banken selbst nach und fanden heraus, dass diese Konten alle relativ frisch angelegt worden waren, und dass für alle diese Konten ein einziger Aussenstehender Kontenvollmacht hatte: ein gewisser Herr Jürgen K.! Und der hatte die später gezahlten Beträge in bar abgehoben – so, wie seine Unterschriften es auswiesen.

Wir machten unsere Berichte und legten entsprechende Erklärungen der Banken bei.  

Es kam, wie es kommen musste: Herr K. wurde mit diesen Erkenntnissen konfrontiert – stotternd gab er alles zu. Natürlich wurde er fristlos entlassen, und Anzeige wurde gegen ihn eingereicht. Er konnte von Glück sagen, dass er einen festen Wohnsitz in der Stadt hatte, somit wurde ihm die Untersuchungshaft erspart.

Als Begründung für diese unverständliche Vorgehensweise gab er später an: der geplante, neue Käufer wollte alle Vertretungen der Firma des Herrn Z. entfernen und hatte Jürgen K. den Auftrag gegeben, das so schnell wie möglich in die Wege zu leiten – und über ungeklärte Provisionsabrechnungen wäre das am schnellsten gegangen – so dachte sich das der unerfahrene Herr Jürgen K.!

Ja, so funktioniert das aber nicht!

Herr Z. suchte sich einen anderen Käufer für sein Unternehmen - und wir konnten ihm sogar einen solventen, anständigen Partner vermitteln.

 

 
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