Einschleusung von ErmittlernHaben Sie Vertrauen zu all Ihren Mitarbeitern?
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oder füllen Sie unser Kontaktformular aus. Im Auslieferungsbereich des Medikamenten-Zentrallagers war mehr oder weniger alles auf den PC-gesteuerten Ablauf eingestellt worden. Das Auslagern, das Sortieren, das Abliefern der einzelnen Kommissionen und viele andere Arbeitsschritte gingen jetzt so viel schneller, und wie selbst der eigentlich größte Kritiker, Hans B. im Haus hinter vorgehaltener Hand widerwillig zugab: es gebe auch weitaus weniger Fehler als zu der Zeit, als das alles „zu Fuss“ gemacht werden musste. Unsere Spezialität - Einschleusung von ErmittlernÄrgerlich war nur, dass das Steuerungssystem in letzter Zeit öfter ausfiel, und die Auslagerung der Waren geriet so ganz massiv ins Stocken. Jedes Mal musste der Serviceingenieur des Herstellers zur Reparatur gerufen werden, und unter drei Stunden Einstellarbeit ging dessen Einsatz nie ab. Diese Zeit, und die Wartezeit, bis er da war – das war immer mehr als ein halber Arbeitstag Verlust.
Die Geschäftsleitung machte sich große Sorgen. Der finanzielle Aufwand, der notwendig gewesen war, um diese hochmoderne Anlage und die teure Software anzuschaffen, musste sich durch Kosteneinsparung auf anderen Gebieten amortisieren, und diese Amortisation war sehr fragwürdig, weil stets mit Überstunden gearbeitet werden musste, bis dieser Lieferrückstand jeweils aufgeholt war.
Es war aber auch wie verhext: der Service-Bericht des Spezialisten wies immer sehr spartanisch aus: „Steuerkomputer dejustiert“ (er schrieb tatsächlich „Komputer“, mit K!)
Nach dem vierten Ausfall des Steuercomputers gab es eine Krisensitzung mit dem Inhaber der Lieferfirma, die die Anlage gebaut hatte. Der hochqualifizierte IT-Fachmann war sehr offen und gab einige interne Details über seine Anlagen heraus, die ähnlich arbeiteten. In keinem einzigen Fall passierten solche Dinge, obwohl die Systeme fast baugleich waren.
Er schockte seinen Kunden mit der unverblümt ausgesprochenen Vermutung: „Das ist kein Fehler an meinem System – da muss jemand Sabotage ausüben!“ Und dann bot er an, dass der Kunde auf seine Kosten einen „Spezialisten“ in seinen Betrieb einschleusen solle, der, als „Arbeitsvorbereiter“ nach aussen getarnt, die Arbeitsweise der Leute in der Auslieferungshalle beobachten sollte.
Man einigte sich auf Kostenteilung, und einer unserer Fachleute aus der Gruppe „Technikeinsatz“, ein ausgewiesener PC-Spezialist, wurde als „Arbeitsvorbereiter“ eingesetzt; mit dem Betriebsrat war vertraulich darüber Einigung erzielt worden.
Unser Mann wurde anfangs misstrauisch beäugt, aber nach ein paar Tagen und ein paar Stück Kuchen, die er als „Einstand“ ausgegeben hatte, wurde er sogar von den Leuten aufgenommen. Und er fiel beinahe aus allen Wolken, als er zufällig mitbekam, dass man unter der Belegschaft Andeutungen machte, man wolle nun bald wieder einen neuen „Unfall“ auslösen. Und so geschah es – plötzlich ging nichts mehr. Das gleiche Problem tauchte wieder auf – der Steuercomputer stand still. Die übliche Störung, mit allen bekannten hässlichen Begleiterscheinungen – und dem PC-Spezialisten, der endlich nach vier Stunden eintraf. Unser Mann blickte ihm interessiert über die Schultern, gab sich völlig ahnungslos, aber kam aus dem Staunen nicht mehr heraus: das PC-Problem war trivial, und hätte mit ein bisschen Training von den eigenen Leuten behoben worden sein können. Ihm fiel aber auch auf, dass es eine stille, eine besondere Übereinkunft zwischen dem großen Kritiker, Hans B., und dem PC-Ingenieur zu geben schien.
Gut – alle Beobachtungen zusammengetragen ergaben schliesslich Sinn: alle beteiligten Personen wurden zu einem überraschend einberufenen Treffen geladen und mit gewissen Vermutungen konfrontiert. Unser eingeschleuster Ermittler übernahm die Moderation des Gesprächs, er ist ein ehemaliger Kriminalbeamter, der sich mit der Gesprächstechnik in solchen Fällen gut auskennt.
Heraus kam: der Kritiker Hans B. hatte massiv Angst, dass seine Firmenleitung die Computersteuerung weiter ausbauen würde, und dass er dann als nächster einen Auflösungsvertrag bekommen würde – womit er übrigens völlig richtig lag! Hans B. aber war ein entfernter Verwandter des Serviceingenieurs, der den Computer immer mit „K“ schrieb. Hans B. verübte ab und zu einen kleinen Sabotageakt am Steuercomputer, angeleitet vom Servicemann. Der Servicemann hielt den Mund über die trivialen Gründe, und er half so seinem Schwipp-Schwager dabei, die Modernisierung des Betriebes zu verzögern.
Nun, keine Frage, dass dieses Problem danach gelöst wurde: beide Verwandte verloren fristlos ihre jeweiligen Arbeitplätze. Die Aussage unseres Technik-Beauftragten war eindeutig und wurde vor Gericht akzeptiert.
Und der Auftrag zur Erweiterung der PC-Abwicklung des Medikamenten-Zentrallagers wurde sehr bald erteilt – und das natürlich an den bewährten Lieferanten. |