Sicherstellung von Eigentum

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Bis zum heutigen Tag rätseln die Verantwortlichen in der Zentrale der großen Bank, wie diese Panne hatte passieren können: alle, die eine Vorprüfung durchgeführt hatten, hatten den Kreditantrag abgelehnt, und dann war der Antrag doch in die Unterschriftenmappe gewandert, in der dem Vorstand die genehmigten Anträge zur Unterschrift gesammelt vorgelegt wurden – und da an dieser Stelle vor der Unterschrift nur noch stichprobenartig nachgeprüft wird, hatte der Vorstand diesen Antrag doch genehmigt. Bis das dann auffiel, war das Kind bereits in den Brunnen gefallen.

Was war denn so Schreckliches passiert? Nun, es kommt immer auf den Standpunkt an:

Karl T. hatte sich endlich durchgerungen, seine immer unrentabler werdende Fahrschule aufzugeben und, da er bereits als Kind nur für Autos geschwärmt hatte, war es schon immer sein größter Traum gewesen, einmal eine richtige PKW-Flotte zu besitzen: und wie kriegt man das am besten hin? Man gründet eine Leihwagen-Firma und kauft sich viele, viele Autos….

Er war, bevor er Fahrlehrer wurde, ausgebildeter Kfz-Meister gewesen, besass noch eine voll ausgestattete Werkstatt aus der Zeit als Fahrlehrer, und er konnte daher praktisch alle Schäden an den Fahrzeugen selbst reparieren. Und das wichtigste: er hatte ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, und er hatte vor nichts und niemandem Angst.

Als er zur Geschäftsneugründung sein Business-Konzept bei der Bank vorlegte, erntete er ziemliches Stirnrunzeln – und das bei allen Bankmitarbeitern, mit denen er das Konzept durchgehen musste. Warum lehnten die Banker dieses Konzept so nachdrücklich ab? Nun, das war leicht zu erklären: wenn Karl mit eigenem Geld so etwas hinbekäme, und als Person trauten ihm die Leute das durchaus zu, dann hätte er sehr tüchtig gearbeitet. Aber das Risiko war, dass sein gesamtes eingesetztes Vermögen dabei hätte verloren gehen können, wenn es schief ginge.

Aber eine Bank gibt nur dann einen Kredit, wenn es wirklich nur überschaubare Risiken gibt – und die für die Kreditvergabe zuständigen Mitarbeiter waren alle, ohne sich ausdrücklich abgesprochen zu haben, strikt dagegen. Für die Bank war das Risiko zu gross, denn Karl konnte überhaupt keine angemessenen Sicherheiten für den beantragten Kredit bieten! Ausser seiner Arbeitkraft und seiner alten Werkstatt hatte er nichts zu bieten. Und Kaufmann? Man zweifelte an seinem praktischen Geschäftssinn.  

Und ausgerechnet dieser von allen abgelehnte Antrag war irrtümlich genehmigt worden, der Kredit war ausgezahlt worden und Karl hatte viel, viel Geld bekommen. Die Bank konnte nun, da das Malheur ja nun mal passiert war, nicht mehr zurück.

Mit dem Geld aus dem Kredit kaufte er sofort 20 Autos, bekam natürlich einen tollen Rabatt darauf, und startete seine Werbemassnahmen. Mit der Bank wurde vereinbart, dass Karl die Fahrzeugbriefe als Sicherheit bei der Bank hinterlegte. Und nun hofften alle, dass Karl die fälligen Raten regelmäßig zahlen konnte.

Er nannte die Firma „Autos vom Karl“ – ein einfacher und griffiger Slogan. Da er als ehemaliger Fahrlehrer in der ganzen Gegend beliebt und bekannt war wie ein bunter Hund, hatte er auch sehr bald einen großen Kundenkreis, und das Geschäft mit den Leihwagen lief prächtig an.

Leider war Karl aber kein guter Kaufmann - er war zu gutmütig, lieh alten „Freunden“ die Autos über Wochen aus, ohne dafür eine Rechnung zu schreiben – und es kam, wie es kommen musste: er wurde klamm und klammer, und nach weniger als einem Jahr stellte er die Zahlungen an die Bank ein. Als natürliche Folge aus den Vereinbarungen des Kreditvertrages verlangte nun die Bank die Autos als dingliche Sicherheit zurück.
Wie sollte Karl das denn hinkriegen – er hatte doch zum Teil noch nicht mal ordnungsgemäße Dokumente über die Kunden, die seine Autos ausgeliehen hatten, angefertigt. Es war eine Katastrophe.

Mit Karl zu reden – das war aussichtslos. Er hing an der Firma, und – bei Licht besehen – war er noch nicht einmal „schuld“ – so sah er sich selbst. Er hatte nicht verstanden, dass die Verantwortung eines Privatmannes etwas anderes ist als die eines Geschäftsinhabers.

Also rief man uns, die Alpha Detective, um herauszukriegen, wo die Fahrzeuge von „Autos vom Karl“ gerade herumfuhren. Wir sollten das Eigentum der Bank sicherstellen – das ist bei einem Haus, einer „Immobilie“, relativ einfach – aber bei einer Autoflotte, einem Haufen von „Mobilen“, da ging das nicht so einfach.

Karl war stinkesauer, als wir zu ihm kamen und ihm mitteilten, dass die Bank uns mit der Wiederbeschaffung der Autos beauftragt hatte. Er verweigerte rundheraus die Mitarbeit. Also mussten wir uns mit Hilfe von Nachbarn, Freunden und Bekannten ein Bild verschaffen, wer denn die Autos haben könnte. Einige seiner „Spezies“ kriegten wir auf diese Weise zu fassen – die Kerle waren noch nicht einmal damit unterwegs – sie hatten die Autos frech vor ihren Wohnungen geparkt und gaben bei den Nachbarn vor, dass sie sich neue Autos hätten leisten können…

Es war ein mühsames Geschäft. Die Bank wollte 15 Wagen haben, wir fanden 12 – damit gab sich die Bank zuerst mal zufrieden. Ein anderes Problem war, die zum Teil arg zerschundenen Autos zu verkaufen…. Das übernahm glücklicherweise das Autohaus, das die Wagen einst geliefert hatte.
Unterm Strich: ein Verlustgeschäft auf allen Seiten, für alle daran Beteiligten.

Karl konnte zwei der Autos schliesslich als sein bezahltes Eigentum behalten – sein Traum von der „grossen Flotte“ aber war zerplatzt.

Der Bankdirektor, der dieses Desaster für alle, die damit zu tun hatten, verursacht hatte, konnte von Glück sagen, dass er nicht abgesägt wurde.

 

 
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